Zuleitung BR Stellungnahme und Weiterbeschäftigung

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  • Hallo zusammen,


    ich bin gerade am verzweifeln und hoffe das mir jemand hier im Forum weiterhelfen kann.
    Es geht um die Zuleitungspflicht der BR Stellungnahme nach 102 Abs. 4 sowie den betriebsverfassungsrechtlichen Weiterbeschäftigungsanspruch nach 102 Abs. 5.
    Im konkreten Fall hat der BR der Kündigung nach 102 Abs. 3 Satz 3 fristgerecht widersprochen, was ja Vorraussetzung für die nachfolgenden Absätze dieses Paragraphen ist.
    Der Arbeitgeber hat trotzdem gekündigt, weigert sich aber die Stellungnahme dem Arbeitnehmer auszuhändigen, mit der Begründung dass er diese erst vor Gericht vorlegen müsse. Auch der Anwalt des Arbeitnehmers bestätigt das es hierzu keine Verpflichtung geben würde.


    Ich kann diese Aussagen nicht nachvollziehen, da hier Absatz 4 des 102 eindeutig etwas anderes sagt.
    Was ist Eure Meinung hierzu?


    Darüber hinaus, hat der Anwalt nur im Inhalt der Kündigungsschutzklage gegenüber dem Gericht erklärt, das für den Arbeitnehmer die Weiterbeschäftigung geltend machen will. Gegenüber dem Arbeitgeber hat er dies nicht erklärt, sondern nur informiert das er im Auftrag des Arbeitnehmers Klage eingereicht hat. Laut dem Anwalt wäre dies ausreichend.


    Aber auch hier ist Absatz 5 des 102 eindeutig, indem ein Weiterbeschäftigungsanspruch nur besteht, wenn gegenüber dem Arbeitgeber innerhalb der Kündigungsfrist erklärt wird, dass man bis zur gerichtlichen Klärung zu unveränderten Arbeitsbedingungen weiterbeschäftigt werden möchte. Diese Erklärung hat bisher aber nur gegenüber dem Arbeitsgericht stattgefunden.


    Was meint Ihr?
    Ist dies ebenfalls ausreichend?


    Freue mich auf Eure Meinung und Rückmeldung hierzu.


    VG,
    Oliver

  • Nach dem Gesetz hat der Arbeitgeber zwar den Widerspruch des BR an den Gekündigten weiterzuleiten, aber es wird nicht sanktioniert wenn er es nicht tut, insbesondere ist es keine Wirksamkeitsvoraussetzung. Insofern ist das Einfachste wenn der BR den Widerspruch auch direkt an den AN übermittelt.


    Bezüglich des Weiterbeschäftigungsanspruches bin ich mir unsicher. Ich denke dass alle Inhalte der Klageschrift so sind, als wenn sie auch direkt an die Beklagte gerichtet wären, bin mir dabei aber nicht aureichend sicher.

  • Moin,
    Der Weiterbeschäftigungsanspruch besteht unter folgenden Voraussetzungen:
    1. Es muß ordentlich gekündigt worden sein. § 102 Abs. 5 BetrVG gilt nicht für die außerordentliche Kündigung.
    2. Es muß Kündigungsschutz bestehen und Kündigungsschutzklage erhoben worden sein.
    3. Der Betriebsrat muß form- und fristgerecht widersprochen haben.


    ### 4. Der Arbeitnehmer muß die Weiterbeschäftigung verlangt haben.##


    5. Der Arbeitgeber darf nicht von der Weiterbeschäftigungspflicht entbunden worden sein.


    Die Verpflichtung zur Weiterbeschäftigung hängt ausschließlich vom Verlangen des Arbeitnehmers ab.


    Sollte der Arbeitgeber das Weiterbeschäftigungsverlangen des Arbeitnehmers ablehnen, so hat der Arbeitnehmer den Anspruch auf Lohnzahlung nach § 615 BGB auch dann, wenn der Arbeitgeber im Kündigungsschutzprozess obsiegt, da das Arbeitsverhältnis erst mit Rechtskraft der Entscheidung über die Kündigungsschutzklage endet.
    Gruß
    bj

  • Hallo zusammen,


    danke für die hilfreichen Rückmeldungen :)
    Ich habe auch ein wenig weiterrecherchiert und bin darauf gestoßen das wohl nur der BR oder eine im Betrieb vertretene Gewerkschaft nach §23 BetrVG den AG wegen der nicht Herausgabe der BR Stellungnahme sanktionieren lassen kann (sofern er sich beharrlich weigert).


    Die Kündigung ist zwar auch ohne Stellungnahme wirksam, aber es sieht so aus, als würde der AG durch die Nichtherausgabe das Risiko einer Schadensersatzpflicht eingehen, falls dem AN aus der Rechtsfolge der Nichtherausgabe ein Nachteil entsteht.


    Als Beispiel eines Nachteils wurde mir hier die Anwaltskosten genannt. Weis jemand ob darunter auch der Lohnausfall fällt, falls deswegen keine Weiterbeschäftigung verlangt wurde?


    VG,
    Oliver

  • Hallo,


    ich kenne es auch nur so, dass die Benachrichtigung eher formelle Zwecke erfüllen soll und aus dieser Charakteristik heraus keine Ansprüche hergeleitet werden können.


    Interessant finde ich die Nicht - Benachrichtung des AG durch den Anwalt. Hat er dazu vielleicht ein wenig detailliertere AUsführungen gemacht ?



    MfG


    Horst

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